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17. Weltmeisterschaft der IARU im Amateurfunkpeilen (ARDF)

Kleines Team holt 12 WM-Medaillen in Kasachstan

Kasachstan war von 6. bis 13. September der Austragungsort der 17. Weltmeisterschaften der IARU im Amateurfunkpeilen (ARDF). 250 Sportler aus 25 Ländern und vier Kontinenten hatten sich dazu eingefunden. Für den DARC gingen 17 Wettkämpfer an den Start. Sie wurden von drei Besuchern begleitet. Damit war die Nationalmannschaft kleiner als sonst, was neben privaten Gründen vor allem den Kosten des Flugs geschuldet war.

Kasachstan ist das neuntgrößte Land der Erde und verfügt über sehr unterschiedliche Landschaften. Austragungsort der WM war der Nationalpark Burabai im Norden des Landes. Dieser Gebiet hebt sich durch Nadelwälder, Felsen, Seen und Berge von der umgebenden Steppe ab. Es ist auch unter dem Namen „Kasachische Schweiz“ bekannt. Im touristisch geprägten Ort Burabai war die Sommersaison bereits beendet. Über den See fegte ständig ein kalter Wind aus Richtung Norden. Frische Temperaturen mit gelegentlich leichtem Nieselregen bestimmten das Wetter während der WM – zum Laufen nicht unangenehm, aber beim stundenlangen Warten am Start eine Herausforderung.

Die Sportler waren auf mehr als vier Hotels verstreut. Die deutsche Mannschaft kam im Hotel Alem unter, das 30 Minuten Fußmarsch vom Wettkampfzentrum (Training, Siegerehrung) entfernt lag. Zum Glück sorgten die Organisatoren bei den meisten offiziellen Termine für einen Bus.

Aus Kasachstan waren bei den letzten Region-1- und Weltmeisterschaften nur wenige Personen in Erscheinung getreten. Es gab deshalb vorab einige Zweifel, ob der Ausrichter sich auf den Aufwand einer WM richtig eingestellt und die Zutaten einer erfolgreichen Veranstaltungen erkannt hatte. Bei der Sendetechnik hatte er sich gegen die bewährten tschechischen Produkte und zugunsten einheimischer und chinesischer Geräte entschieden. Aus vorangegangenen Trainingstagen war zu hören, dass stets einzelne Sender defekt gewesen seien. Beim offiziellen Training für die WM-Teilnehmer fielen die Sender teilweise durch unterschiedliche Signalstärke und schlechte Modulation auf.

In der ersten Team-Leader-Sitzung wurde dann erschreckend deutlich, dass dem Ausrichter und zuständigen Referees zentrale Elemente der IARU-Regeln für internationale Meisterschaften nicht bekannt waren: Man hatte allen Ernstes beabsichtigt, alle elf Kategorien in den klassischen Wettbewerben auf demselben Band starten zu lassen. Doch seit der Einführung der Klassen W60 und M70 im Jahr 2010 ist die Verwendung unterschiedlicher Bänder Pflicht, um allen Teilnehmern an der Leistungsfähigkeit orientierte Wettbewerbe anbieten zu können. Als der deutsche Team Leader Kai Pastor, DG0YT, nachfragte, musste die Team-Leader-Sitzung für 45 Minuten unterbrochen werden... Schließlich lenkte der Ausrichter ein, diesen essenziellen Punkt der Regeln umzusetzen.

Erster klassischer Wettbewerb

Das Wettbewerbsprogramm begann mit einem klassischen Wettbewerb. Im Wartebereich am Start sammelten die Referees zunächst noch zahlreiche Mobiltelefone ein, die trotz bekannten Verbots mitgebracht worden waren. Das Gelände war sehr flach und von offenem Nadelwald bewachsen, der auch abseits der Wege trotz einiger Steine und Felsen mit hohem Tempo belaufbar war. Das Peilen auf 144 MHz – hier waren die „jüngeren“ Kategorien am Start – bereite keine Probleme. Bei Streckenlängen zwischen 3,9 km (M70) und 7,3 km (M21) wurden die Vorgaben der Regeln recht gut getroffen. Der „schnelle“ Wald und die in den Altersklassen niedrigen Senderzahlen sorgten für Siegerzeiten zwischen 33 Minuten (M60) und 58 Minuten (W19).

Das deutsche Team war offenbar gut motiviert und konnte auf 3,5 MHz gleich sechs Medaillen verbuchen. Dieter Schwider, DF7XU, lief in der M70 auf Rang 2 ein. Zum Einzelsilber kam dann noch Mannschaftsgold gemeinsam mit dem viertplatzierten Dieter Barg, DL9MFI. Bei den W50-Damen gelang Brigitte Drews, DL7AFJ, der Sprung auf den Bronzerang. Zusammen mit Carmen Eipper, DH3SC, kam dazu auch hier eine Mannschaftsmedaille (Bronze). Einzel-Silber gab es noch in der M60 für Bernd Höfner, DL1AQ, der sich außerdem gemeinsam mit Heinrich Götte und Bernhard Gartner, DF7SF, über Mannschafts-Silber freuen konnte.

Auf die Siegerehrung mussten alle noch Tage warten: Die Jury hatte aus diversen Gründen nicht rechtzeitig das obligatorische Meeting nach dem Wettkampf abgehalten und deshalb die Ehrung für den Wettkampftag abgesagt. Die 90-minütige Zeremonie auf einen anderen Tag mit vollem Programm zu verschieben, stellte sich in der Praxis als problematisch heraus.

Zweiter klassischer Wettbewerb

Für den zweiten klassischen Wettbewerb hatte sich der Ausrichter ein Biathlon-Zentrum als Startplatz ausgesucht. Der angrenzende Bergrücken erhob sich rund 100 Meter darüber. Die Karte im Maßstab 1:10000 ließ allerdings nach Berücksichtigung des senderfreien Bereichs um den Start nicht mehr viel Gelände übrig. Nicht alle Teilnehmer erfuhren am Start, dass die ausgelegten Musterkarten nicht bloß Start und Ziel zeigten, sondern das Gelände auf einen lächerlichen Rest beschnitten.

Am Ende ergab sich etwa 3,8 km Strecke für die M21, was bei Berücksichtigung des Anstiegs gerade die Hälfte der unteren Schranke der Regeln darstellt. Der Sieger in der M21 präsentierte dem Bahnleger die Quittung mit einer Laufzeit von weniger als 23 Minuten – da bleibt kaum Unterschied zum Sprint. Alexander Hergert, DE1ADH, konnte mit 28 Minuten immerhin den fünften Platz erreichen. Auf einen Medaillenrang lief erneut Dieter Schwider, DF7XU, der nun auf 144 MHz Dritter wurde. Bronze gewannen DF7XU und DL9MFI auch in der Mannschaftswertung.

Sprint

Der Sprint wurde im Zielbereich des ersten Wettkampftags ausgetragen. Gelände und Bahnlegung erwiesen sich diesmal als sehr gut gewählt. Das deutsche Team staunte freilich nicht schlecht, als bei der letzten Funktionskontrolle der Empfänger vor Abgabe die Peilsender bereits zu hören waren. Nach einem Hinweis an einen Referee wurde das schnell abgestellt.

Im Wettkampf haderten einige damit, dass die Zeitnahmestationen mitunter trotz der neuen rot-weißen Markierung vom Sender aus schlecht zu sehen waren – gerade bei diesem Wettbewerb entscheiden Sekunden. Diesen Punkt wird die ARDF-Arbeitsgruppe weiter verbessern müssen, indem die Regeln eine noch bessere Markierung der Kontrollposten oder einen geringeren Abstand vom Sender vorschreiben – die letzte Maßnahme hätten aufmerksame Referees ohnehin ergreifen können.

Deutsche Medaillen holten einmal mehr die Sprint-Doppelweltmeister von 2012: Dieter Barg, DL9MFI, gewann in der M70 mit einer Laufzeit von 16 Minuten und 32 Sekunden. Dieter Schwider, DF7XU, benötigte drei Minuten länger und wurde Dritter.

Foxoring

Als letzter Lauf stand das Foxoring im Programm. Diesmal hielt der Ausrichter eine ganz unerwartete Panne bereit: Die Busse, die die Sportler zum Start bringen sollten, hatten offenbar kein genaues Fahrtziel erhalten und irrten zunächst eine Stunde im Nationalpark umher.

Wie in den vergangenen Jahren waren in allen Karten alle Foxoring-Sender eingedruckt. Aber engagierte Referees hatten bis tief in die Nacht die Karten mühsam bearbeitet, so dass die in den Kategorien nicht benötigten Sender eindeutig durchgestrichen waren. Damit war es zum ersten Mal bei einem internationalen Foxoring-Lauf möglich, die Karten erst beim Startsignal an die Wettkämpfer auszugeben.

Das Foxoring-Gelände grenzte nördlich an das Gelände des zweiten klassischen Wettbewerbs. Der Bergrücken bildete die westliche Begrenzung des Geländes. An der grundsätzlich guten Bahnlegung ist nur zu bemängeln, dass relativ viele Sender am Kartenrand platziert waren, so dass die Routenwahlmöglichkeiten eingeschränkt waren. Außerdem deuten die Ergebnisse der M70 und W60 auf zu lange Strecken in diesen Kategorien.

Fatal war, dass einer der Foxoring-Sender ein deutliches Stück außerhalb der Karte aufgebaut wurde – in einem besonders steilen und steinigen Abschnitt des Bergs, wo losgetretene Steine ein ganzes Stück rasant zu Tal purzelten. An Rennen war hier kaum zu denken. Peiltechnisch ließ sich der Sender finden, aber die Verletzungsgefahr war unangemessen hoch. 120 Meter Abstand bedeuteten wenigstens 50 zusätzliche Höhenmeter. Selbst die Kategorie M70 musste diesen Sender finden. Dieter Barg, DL9MFI, trotzte dieser Herausforderung einen dritten Platz ab. Brigitte Drews, DL7AFJ, konnte in der Kategorie W50 sogar die Silbermedaille gewinnen. Unter den WM-Neulingen wartete Matthias Kühlewein, DL3SDO, mit einem tollen neunten Platz auf.

Fazit

Die Veranstaltung bestätigte leider Befürchtungen über die Vorbereitung und die organisatorischen Fähigkeiten des Ausrichters. Dazu traten noch Schwächen im Bereich der Jury-Arbeit. Zukünftige Bewerber für die Ausrichtung einer Meisterschaft müssen mit einem deutlich geringerem Vertrauensvorschuss in der ARDF Working Group rechnen. Umso mehr ist einzelnen Mitgliedern des Organisationsteams und der Jury zu danken, die durch überdurchschittliches Engagement den insgesamt noch akzeptablen Ablauf der Veranstaltung möglich gemacht haben.

Das DARC-Team musste 2014 auf einige Leistungsträger verzichten und schöpfte die Startplätze nur zur Hälfte aus. Mit zwölf Medaillen knüpfte das deutsche Ergebnis jedoch an die Erfolge der vergangenen Jahre an. Hauptanteil am Erfolg für den DARC hatten die M70-Teilnehmer DF7XU und DL9MFI, die in jedem Rennen für Medaillen sorgten. Hier zahlte sich die Überzeugungsarbeit aus, die Team Leader DG0YT und weitere Unterstützer leisten mussten, um den beiden die Zusage für die Teilnahme abzuringen. Weitere Mannschaftsmitglieder konnten mit Top-10-Platzierungen ihren Platz in der internationalen Spitzengruppe beweisen, verpassten den Sprung auf das Podest in den Einzel- und Teamwertungen aber knapp.

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Ergebnisse

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Das DARC-ARDF-Team 2014

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Homepage der Veranstaltung